PANAMA
Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung
In der Präambel zur Verfassung erbitten die Bürger Panamas den Schutz Gottes.[1] In Artikel 35 heißt es: „Die Bürger Panamas haben das Recht, sich zu jedem Glauben zu bekennen und jede Form der Gottesverehrung frei zu praktizieren, soweit die christlichen Werte und die öffentliche Ordnung respektiert werden.“ Im selben Artikel wird bekräftigt, dass die Bürger Panamas mehrheitlich katholischen Glaubens sind.
Gemäß Artikel 19 der Verfassung darf niemand im öffentlichen oder privaten Bereich wegen seiner ethnischen, geografischen oder sozialen Herkunft, einer Behinderung, wegen seines Geschlechts, seines Glaubens oder seiner politischen Haltung bevorzugt oder benachteiligt werden.
Ungeachtet der Pflichten, die mit ihrem Auftrag einhergehen, dürfen Geistliche und Ordensmitglieder „nur dann öffentliche Ämter übernehmen, wenn die betreffende Funktion mit sozialer Arbeit, Bildung oder Forschung im Zusammenhang steht“ (Artikel 45). Laut Artikel 139 ist die Gründung politischer Parteien auf der Grundlage von religiösen Überzeugen untersagt.
Der Präsident und sein Stellvertreter legen ihren Amtseid mit dem Wortlaut ab, der in Artikel 181 der Verfassung vorgegeben ist: „Ich schwöre vor Gott und dem Land, dass ich der Verfassung und den Gesetzen der Republik treu sein werde.“ Bürger, die sich nicht zu einem Glauben bekennen, dürfen gemäß Artikel 181 den Amtseid ohne Gottesbezug leisten.
Religiöse Organisationen sind laut Artikel 36 „rechtsfähig und dürfen ihr Vermögen so wie andere juristische Personen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben verwalten“.
Artikel 94 sichert allen Schülern unabhängig von ihrer ethnischen oder sozialen Herkunft, ihrer politischen Haltung oder Religion zu, dass ihnen jede staatliche Schule und jede Privatschule offensteht.
Artikel 107 der Verfassung sieht vor, dass an allen staatlichen Schulen katholischer Religionsunterricht erteilt wird. Schüler sind jedoch nicht verpflichtet, am Religionsunterricht oder an Gottesdiensten teilzunehmen, wenn ihre Eltern bzw. der Vormund dies nicht wünschen.
Schließlich setzt Artikel 755 der im Jahr 2023 in Kraft getretenen Zivilprozessordnung fest, dass „Gebäude, die für die Nutzung durch Kirchen, für heilige Zwecke und sonstige Formen der Religionsausübung vorgesehen sind,“ als nicht pfändbares Vermögen gelten.[2]
Vorfälle und aktuelle Entwicklungen
Im April 2023 erlitten mindestens fünf Personen, darunter drei Minderjährige, während eines „Rituals“ einer religiösen Gemeinschaft in Ngäbe Buglé Verletzungen. Es handelt sich um eine abgelegene, indigene Region auf der Insel Isla Peterson im Norden Panamas.[3] Die örtlichen Behörden haben daraufhin Ermittlungen zu den Vorkommnissen eingeleitet.[4]
Im Juli 2023 übernahm Panama offiziell die von der International Holocaust Remembrance Alliance (Internationale Allianz zum Holocaustgedenken, IHRA) formulierte Arbeitsdefinition von Antisemitismus. Dies geschah im Rahmen einer Veranstaltung, an der Beamte von Regierungsbehörden, Vertreter der Organisation Amerikanischer Staaten, der israelische Botschafter sowie Repräsentanten der jüdischen Gemeinde Panamas teilnahmen.[5]
Im August 2023 veröffentliche das Ministerium für Arbeit einen Leitfaden für die Identifizierung von Diskriminierung am Arbeitsplatz. In dem Leitfaden werden religiöse Auffassungen und politische Ansichten als zwei der Hauptgründe für Diskriminierung genannt.[6]
Im August 2023 wurden in der katholischen Kirche Mariá Auxiliadora in Bejuca auf dem Boden verteilte geweihte Hostien vorgefunden. Sie waren so angeordnet, dass sie einen satanischen Spruch bildeten. Dies war nicht das erste Mal, dass die Kirche entweiht worden war. Unter den Gemeindemitgliedern herrschte Unklarheit darüber, wer für die Kirchenschändung verantwortlich gewesen sein könnte, zumal an den Fenstern und Türen des Gebäudes keine Einbruchsspuren auszumachen waren.[7]
Ebenfalls im August 2023 veranstaltete das Interreligiöse Komitee von Panama einen „Nachmittag der Tempel“, um den 504. Jahrestag der Gründung von Panama-Stadt zu feiern. Die Veranstaltung war für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich und Besucher wurden dazu eingeladen, 12 Gotteshäuser verschiedener Religionsgemeinschaften zu besuchen. Auf diese Weise sollte die Achtung der Religionsfreiheit gefördert und die Bedeutung des religiösen Erbes für das Land betont werden. Der Tag wurde mit einem religionsübergreifenden Gebet am Eingang der Metropolitankathedrale beendet.[8]
Im Februar 2024 fand ein Treffen zwischen dem Interreligiösen Komitee und Mitgliedern der Nationalen Wahlbehörde statt, welche über die Mission und Ziele der Organisation berichteten. Anwesende Religionsführer äußerten ihren Wunsch nach Zusammenarbeit, woraufhin das Komitee den Generalsekretär Isis Navarro als Koordinator für den Austausch ernannte.[9]
Die Feierlichkeiten religiöser Gemeinschaften finden oft an öffentlichen Orten statt. Ein Beispiel dafür ist die Osterwoche, deren Festlichkeiten in der Altstadt von Panama-Stadt stattfinden. Dazu zählen die Prozessionen[10] sowie das Fest zu Ehren des Schwarzen Christus, das von Tausenden Pilgern in der Kirche San Felipe in Portobelo gefeiert wird.[11] Die muslimische Gemeinschaft kann den Ramadan in Panama ohne Einschränkung begehen, welcher 2023 größtenteils in denselben Zeitraum wie die christliche Fastenzeit und das Osterfest fiel. Im April 2023 erklärten Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft gegenüber der Presse, dass in Panama verschiedene Religionen friedlich und respektvoll koexistierten.[12]
Die Katholische Kirche spielt im öffentlichen Diskurs eine aktive Rolle. Im Februar 2023 äußerte die Bischofskonferenz ihre Bedenken über die Vielzahl an Herausforderungen, denen sich das Land gegenübersah: wachsende Migration, die Auswirkungen vom Bergbau sowie die Gewaltkriminalität, die nach Ansicht der Bischöfe die Folge von Armut und Korruption ist.[13]
Nach Angaben der Nationalen Migrationsbehörde von Panama durchquerte im Jahr 2023 eine Rekordzahl von 520.085 Migranten auf dem Weg in die Vereinigten Staaten die gefährliche Dschungelregion des Darién Gap, die sich über Panama und Kolumbien erstreckt. Im Jahr darauf nutzten weitere 302.203 Migranten, die meisten davon aus Venezuela (68 %), die Route, um dem Chaos in ihrem Herkunftsland zu entfliehen.[14] Anfang 2025 sah sich Panama mit der Frage nach dem Umgang mit dem plötzlichen Rückstrom Tausender Migranten konfrontiert, die nach der Schließung der US-amerikanischen Grenze durch die Trump-Regierung wieder Richtung Süden umkehrten. Im Februar 2025 wiesen die Vereinigten Staaten 299 Menschen aus Drittstaaten wie China, Eritrea, Afghanistan und Russland direkt nach Panama aus.[15] Bis April waren 180 davon im Rahmen des Programms „unterstützte freiwillige Rückkehr“ der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in ihre Heimatländer zurückgekehrt.[16]
Im September 2023 äußerte die Bischofkonferenz von Panama ihre Kritik über die Bewilligung eines Vertrags zwischen der Regierung Panamas und eines panamaischen Unternehmens über den größten Kupfertagebau in Zentralamerika. Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen des kanadischen Unternehmens First Quantum Minerals. Die Genehmigung des Vertrags wurde im Eilverfahren durch die Nationalversammlung verabschiedet – an einem Tag, an dem normalerweise keine Tagung stattfindet. Die Bischöfe bewerteten dieses Vorgehen als verfassungswidrig und ersuchten die Unterstützung des Obersten Gerichtshofs. Da die Bewilligung des Bergwerks zu Großdemonstrationen führte, verwiesen die Bischöfe außerdem auf das Recht auf rechtmäßige Demonstrationen ohne Unterdrückung, Gewalt oder Drohungen.[17] Im November 2023 gab der Oberste Gerichtshof dem Argument der Bischöfe statt, dass die 20-jährige Genehmigung, die dem kanadischen Unternehmen zugesprochen worden war, verfassungswidrig sei. Präsident Laurentino Cortizo kündigte daraufhin an, dass die Regierung die Schließung des Bergwerkt einleiten würde.[18]
Anfang 2024 veröffentlichte die Bischofkonferenz ein Dokument mit dem Titel Dear Panama („Geliebtes Panama“) – eine pastorale Denkschrift über die Umwelt und die Verantwortung für „unser gemeinsames Zuhause“. Darin positionierten sich die Bischöfe klar gegen die Aktivitäten der Bergbauindustrie im Land und hielten die Bevölkerung dazu an, weiterhin wachsam zu bleiben.[19] In dem Dokument beteten sie für die neue Regierung[20] und betonten die Rolle der Kirche in der Gesellschaft, besonders in Bezug auf die Seelsorge von Häftlingen, Kranken und Migranten.[21]
Im April 2023 brachte die Erzdiözese von Panama ihre Bedenken über die Ausweisung des panamaischen Priesters Donaciano Alarcón Valdés aus Nicaragua zum Ausdruck. Der panamaische Erzbischof, José Domingo Ulloa, äußerte dazu: „Wir bekräftigen das, was der lateinamerikanische Episkopat und Papst Franziskus selbst über dieses Regime, in dem alle religiösen Freiheiten verletzt wurden, gesagt haben.“ Außerdem sagte er, dass die Katholische Weltkirche im gemeinsamen Gebet für die Bevölkerung Nicaraguas, die unter der gravierenden politischen und gesellschaftlichen Krise leidet, vereint sei.[22]
Perspektiven für die Religionsfreiheit
In den Jahren 2023 und 2024 kam es zu einem Akt der Schändung einer katholischen Kirche; weitere Vorfälle von Intoleranz und/oder religiöser Diskriminierung wurden jedoch nicht gemeldet. Besonders hervorzuheben sind die Aussagen der muslimischen Gemeinschaft, die im Land als Minderheitsreligion gilt. Ihr zufolge herrsche in Panama zwischen den verschiedenen Religionen gegenseitiger Respekt und sie habe bislang keinerlei Konflikte bei der Ausübung ihres Glaubens erfahren. Die Perspektiven für die Religionsfreiheit sind als positiv zu bewerten.
Quellen